DIE RINGE

(frei nach der Ringparabel von Lessing)

 

 

Ein Vater hatte drei Söhne. Als es soweit war, daß er sterben sollte, wollte er seinen Söhnen seinen Ring vererben.

Dieser Ring war etwas ganz besonderes; er hatte magische Kräfte.

Nun wußte der Vater aber nicht, wie er allen drei Söhnen gerecht werden konnte, er hatte ja nur einen Ring. Deshalb gab er den Ring einem Goldschmied mit dem Auftrag, vom Ring zwei Kopien zu machen. Der Goldschmied fertigte also zwei weitere Ringe an, die dem ursprünglichen Ring so ähnlich waren, daß die drei Ringe nicht voneinander zu unterscheiden waren.

Als der Goldschmied dem Vater die Ringe gab, hatte er auch vergessen die Ringe zu kennzeichnen, so daß weder der Goldschmied noch der Vater die Ringe jetzt unterscheiden konnte. Die drei Ringe waren vollständig gleich.

Und es geschah auch das Seltsame, daß alle drei Ringe die gleichen magischen Kräfte bekamen – so sehr waren sie gleich.

Auf dem Sterbebett gab nun der Vater seinen drei Söhnen die Ringe und trug ihnen auf, die magischen Kräfte zum Wohle der Menschheit zu nutzen. In den Ringen stand auch in einer Inschrift, wie die magischen Kräfte zu nutzen seien, aber sie mußten erst die Inschrift deuten.

Es stand da:

"Træd ikke i andre folks blomster"

 

Es ist bis jetzt nicht gelungen, die Inschrift zu deuten.

(2009)