Anfang und Ende.

 

 Urzeit war es,

 da Ymir hauste:

 nicht war Sand noch See

 noch Salzwogen,

 nicht Erde unten

 noch oben Himmel,

 Gähnung grundlos,

 doch Gras nirgend.[1]

 

 Das Nichts ist das einzige, das unendlich sein kann. Deshalb vermute ich, dass es ein unermessliches Nichts gibt, in dem es ab und zu funkt. Die Funken versprühen milliardenfach, verglühen und verschwinden im Nichts. Jeder einzelne Funke ist ein ganzes Universum mit Galaxien, Sternen, Planeten und Kometen, die sich im Laufe ihres Lebens entwickeln und vergehen. Warum es im Nichts funkt, wissen wir nicht, aber das Aufblitzen ist für uns ein Urknall, und die versprühten Funken bilden für uns den ganzen Kosmos, ein winziger Blitz, ein Funken versprühter Galaxien im unendlichen Nichts, im endlosen dunklen Nichts. Manche von diesen Explosionen aus dem Nichts erzeugten Universen, die länger lebten, manche Universen verschwanden schneller. Sie bekamen sicher auch unterschiedliche Eigenschaften mit auf ihrem Weg. Wie viele es sind und waren, und wie viele es noch werden, wissen wir nicht. In einem davon waren die Eigenschaften zufällig so, dass es so lange erhalten bleiben konnte, dass sich Leben entwickeln konnte, dass sich Bewusstsein entwickeln konnte, dass sich Wesen entwickeln konnten, die versuchen, das alles zu verstehen.

 

So ist auch das einzige, das ewig dauert, die Nichtexistenz. Die dreizehn Milliarden Jahre, die seit der Entstehung des Alls vergangen sind, sind vermutlich nur ein verschwindend kleiner Teil der Ewigkeit vor unserer Existenz. Und nach unserem Tod ist die Nichtexistenz wieder Ewigkeit. Wir existieren nur einen Augenblick zwischen zwei Ewigkeiten[2].

 

(Feb. 2017)

 

 

 



[1] Der Seherin Gesicht, Edda, Götterdichtung

 

[2] Alan Watts, Zeit zu leben, S. 342