Über gekrümmte Räume.

 

 

 

Wenn wir von gekrümmten, verbogenen Räumen sprechen, dann drängt sich die Frage auf, was wird denn da verbogen. Woraus besteht der Raum, der sich so verbiegen lässt.

 

Die einzige Antwort, die mir nach langer Grübelei einfällt, ist, der Raum wird nicht verbogen. Der Raum selbst ist das unendliche Nichts, es besteht aus nichts.

 

Wir selbst legen die Koordinaten in den Raum, schaffen so zunächst den Euklidischen Raum, und verbiegen dann die Koordinaten und schaffen den Gaußschen Raum – je nachdem, wie wir es für zweckmäßig halten.

 

Der Raum ist das, was wir mit unserem Zollstock messen.[1]

 

Wir legen selbst die Koordinatensysteme in den Raum, so dass unsere Vorstellung von den physikalischen Vorgängen weitgehend mit der von uns empfundene Wirklichkeit übereinstimmt, so wie wir auf der Erdoberfläche das Koordinatensystem von Länge und Breite ausbreiten – nicht weil der Raum gekrümmt ist, sondern weil die physikalische Oberfläche der Erdkugel gekrümmt ist.

 

So ist der Raum – das sonst leere und dimensionslose Nichts, das wir Raum nennen – gefüllt mit elektromagnetischen Feldern und mit Gravitationsfeldern, nach denen sich die Bahnen von Photonen und von Planeten richten – und diese Bahnen lassen sich am besten beschreiben durch gekrümmte Koordinaten, Koordinaten, die wir in den Raum bringen – und dann kurz sagen, der Raum sei gekrümmt.

 

Auf die Frage, wie viele Dimensionen hat nun der Raum, lautet die Antwort: So viele wie wir wollen.

 

Damit wird jedoch die Vorstellung, Gravitation und Beschleunigung gemeinsam als Verbiegung der Raum-Zeit zu einer reinen Beschreibung, beide lassen sich mit der Krümmung der Raum-Zeit beschreiben – nicht erklären.

 

Es sieht so aus, als würden wir bei jedem Versuch, etwas zu erklären, nur neue Beschreibungen erfinden, und die als Erklärung ansehen – so wie ich meinen Schülern in der Realschule die Gravitation beschrieben habe: Das einzige, was wir wissen, ist, dass die Tasse zu Boden fällt, wenn wir sie loslassen.

 

(Feb. 2017)

 

 

 

 

 



[1] A. Einstein: „Die Zeit ist das, was wir mit unserer Uhr messen.“